Welch schöne Weihnachtsüberraschung!

08.12.2017

Mindestens ein Jahr weniger dicke Luft in Datteln!

Wem bislang die Phantasie fehlte sich vorzustellen, was wirklich aus dem Riesenkühlturm kommt, der hatte in den vergangenen Wochen mehrmals die Gelegenheit zu sehen, wie sich eine riesige schadstoffbehaftetete Qualmwolke auf die Stadt legt. Und hat endlich begonnen, sich zu fürchten.

Doch nun qualmt es nicht mehr. Ganz überraschend(!) gibt es gravierende Probleme mit dem verbauten Stahl. Es wurden Risse an den Schweißnähten festgestellt, sodass der Probebetrieb eingestellt werden musste. Obwohl diese Problematik keineswegs neu, sondern seit Jahren bekannt ist, hat mein konzernseitig offenbar keine Bedenken gehabt, die Bevölkerung einem möglichen erheblichen Störfall auszusetzen.

Jede Hausfrau weiß: da hilft nur verschrotten....bevor er explodiert

Problemstahl 7 CrMo VTiB 10 10 - wer konnte das bloß ahnen?

Die etwas sperrige Bezeichnung 7 CrMo VTiB 10 10 steht für den 'Super'stahl T24. Der sollte eigentlich den höheren Drücken und Temperaturen standhalten die es braucht, um den mageren Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken zu erhöhen und sie damit gesellschaftsfähiger zu machen. Jedoch ist seit mindestens 7 Jahren bekannt, dass der Werkstoff nicht hält, was man sich davon versprochen hat. Bereits 2010 gab es im Kraftwerk Duisburg-Walsum massive Probleme, die zu einer Verzögerung von mehr als zwei Jahren und immensen Kosten führten.

Uniper (vormals eon) baut also seit 2007 auf eigenes Risiko, beklagt, viel zu nah an der Wohnbebauung und mindestens seit 2010 mit dem Wissen, dass T24 nicht den Anforderungen genügt. Liebe Aktionäre, was sagt ihr eigentlich dazu, dass euer Geld immer tiefer versenkt wird?

 

Interessante juristische Fragen

Neben den immensen Kosten, die nun wieder auf den Konzern zukommen, entstehen auch sehr interessante juristische Fragen. Wie ist es eine solch umfangreiche Änderung genehmigungsrechtlich zu bewerten? Falls der Dampfkessel gegen einen aus herkömmlichem Stahl getauscht werden muss, sind umfangreiche Umbauten am Kesselhaus notwendig. Dazu bedarf es eines neuen Genehmigungsverfahrens, denn auch der Wirkungsgrad und die Emissionen ändern sich.

Ende mit Schrecken statt Schrecken ohne Ende

Vielleicht kann Uniper (oder Fortum oder wem auch immer zukünftig der Pleitenmeiler gehören wird) den gesamten Block an die Chinesen verkaufen. Die wissen, wie man eine Großanlage zerlegt und abtransportiert und wir hätten in ein paar Jahren eine besenreine Fläche, auf der endlich das angesiedelt werden kann, was Datteln wirklich benötigt - Handwerker und kleines Gewerbe. Das bringt Arbeitsplätze und Leben in die Stadt, siehe die Gemeinden nördlich der Lippe. Und das kann Datteln wahrlich gebrauchen. Bis zum Abtransport kann der Kühlturm ja als Projektionsfläche genutzt werden, mit jahreszeitlichen Motiven wie derzeit Sterne und Tannenbäume oder wie bereits 2012 als Werbefläche...
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