Leserbrief zum Thema: Tod aus dem Schlot

Zum Thema Gesundheitsgefahren durch Kohlekraftwerke erreichte uns die folgende Zuschrift* von Walter Stach, Waltrop:

Gesundheitsschäden durch E.on-Datteln-IV

Laut Waltroper Zeitung vom 10.6.2013 –S.7- haben sich Dr. Jörg Siebert und Prof. Dr. Thomas Eikmann im Umweltausschuss der Stadt Datteln zu der Problematik „Gesundheitsschäden durch das E.on-Kohlekraftwerk  -Datteln IV geäußert. Dabei ging es auch um eine im Auftrage von Greenpeace erstellte und vor kurzem veröffentlichte Studie zu Gesundheitsschäden – mit Todesfolge – durch den Betrieb von Kohlekraftwerken. Zunächst ist –wieder einmal – auffällig und bemerkenswert, dass der Umweltausschuss in Datteln zu diesem Problem zwei Wissenschaftler anhört, die in Sachen E.on – Datteln -IV als von E.on bestellte und bezahlte Gutachter tätig sind. Es stimmt zumindest sehr nachdenklich, dass sich Politiker in ihrem Willensbildungsprozess beraten lassen von interessengebundenen und interessenverpflichteten Personen. Es stimmt selbstverständlich nicht nachdenklich, dass diese beiden Personen der Interessen von E.on wegen keine nennenswerten gesundheitlichen Gefahren für die Menschen, für Fauna und Flora in der Region erkennen, wenn das größte Monoblock - Kohlekraftwerk-Europas in Betrieb geht und erst recht die Möglichkeit dadurch bedingter Todesfälle ausschließen. Es stimmt wiederum nachdenklich, dass neben den beiden interessengerichtet argumentierenden  Gutachtern, von E.on bestellt und bezahlt, der Umweltausschuss der Stadt Datteln gar nicht erst auf die Idee kommt, auch einen Vertreter von Greenpeace anzuhören, obwohl deren Studie über Todesfälle infolge des Betriebes von Kohlekraftwerken Gegenstand der Diskussion im Ausschuss war und vor allem auch Gegenstand entsprechender Kritik der beiden „E.on-Gutacher“. Interessant ist es zudem, die in der Waltroper Zeitung wiedergegebenen Aussagen der beiden Gutachter näher zu betrachten: „Aufgrund von Einzelrisiken Todesfälle hochzurechnen, sei statistisch nicht gut. Todesfälle hätten immer mehr Risikofaktoren „ so lt. Waltroper Zeitung Dr. Siebert. Wie ist denn die Qualität der Aussage eines Wissenschaftlers(!) zu bewerten: „...........sei statistisch nicht gut...“? Das mag ja eine Formulierung sei, die jedermann verwenden kann, aber seitens eines Wissenschaftlers in einer Anhörung in einem kommunalen Ausschuss? „Todesfälle hätten immer mehr Risikofaktoren“, so ebenfalls lt. Waltroper Zeitung Dr. Siebert. Das ist faktisch falsch; es gibt bekanntlich eine Menge Todesfälle, die nur auf ein Risiko zurückzuführen sind. Wenn Dr. Siebert im Übrigen von „mehr Risikofaktoren“ gesprochen hat, folgert daraus, dass das Leben im Umfeld eines Kohlekraftwerkes sehr wohl ein (zusätzlicher) Risikofaktor ist. Frage: Hat man mit einem solchen –zusätzlichen- Risikofaktor zu leben, nur deshalb, weil ansonsten  die Gewinnmaximierungsziele von E.on  eingeschränkt werden könnten? Denn ein dringendes öffentliches Interesse am Betrieb des E.on-Kraftwerkes Datteln IV kann nicht geltend gemacht werden. Weder die Stromversorgung in Deutschland im Allgemeinen, noch die Stromversorgung der Bundesbahn im Speziellen sind gefährdet, wenn E.on-Datteln IV nicht ans Netz geht. Und wenn Prof. Eikmann laut Waltroper Zeitung im Umweltausschuss der Stadt Datteln gesagt hat, dass er eine hohe Verkehrsbelastung „vor Ort“ als wesentlich problematischer schätzt für die menschliche Gesundheit als Kohlekraftwerke, dann ist zu fragen: a.) Wie seriös ist die Aussage eines Wissenschaftlers, der „schätzt“? b.) Wenn Prof. Eikmann hohe Verkehrsbelastungen als „wesentlich“ problematischer für die menschliche Gesundheit einschätzt  als die durch ein Kohlekraftwerk, dann folgert daraus, dass er sehr wohl den Betrieb eines Kohlekraftwerkes als problematisch für die menschliche Gesundheit erkennt, sie allerdings für unproblematischer hält als die durch hohe Verkehrsbelastungen. c.) Ist Prof. Eikmann nicht klar, daß die Menschen, die an der B 235 in Datteln wohnen, bereits jetzt mit den Folgen einer hohen Verkehrsbelastung zu leben haben, dass die Verkehrsbelastungen auf den Straßen im Kraftwerksumfeld bei dessen Inbetriebnahme noch weiter ansteigen und dass folglich gesundheitliche Beeinträchtigungen durch hohe Verkehrsaufkommen kumulieren werden mit denen aus dem unmittelbaren Kraftwerksbetrieb? Der Bericht in der Waltroper  Zeitung wirft diese für jedermann naheliegenden Fragen gar nicht erst auf, geschweige denn, dass Antworten dazu von E.on, von den beiden Gutachtern, von der Politik in Datteln durch die Waltroper Zeitung eingefordert werden. Wieder einmal gibt es also Anlass, zum  Zusammenspiel von E.on, von Kommunalpolitik und örtlichen Medien resümierend anzumerken: „ Ist’s schon Wahnsinn, hat es doch Methode“. Anmerkung: Wenn Kraftwerke der Größenordnung von E.ON – Datteln IV im Volllastbetrieb z. B. - abgesehen von ca. 6,2 Mio t CO 2 - jährlich u.a. 7.8oo t Schwefeldioxyd, 7.8oot Stickoxide, 8oot Feinstaub, 3t Blei produzieren und das über einen Zeitraum von 4o Jahren, d. h.in der Summe von 40 Jahren z. B. 32.000 t Feinstaub(!), dann bedarf es keiner wissenschaftlichen Qualifikation um feststellen zu können, dass dadurch die Menschen in der Region, dass dadurch Fauna und Flora Belastungen ausgesetzt werden, die zwangsläufig für die Menschen, für Fauna und Flora nicht ohne negative Folgen sein können. Wenn zudem davon auszugehen ist, dass von dem neuen Kohlekraftwerk Trianel an der Stadtgrenze Lünen – Waltrop  (läuft bereits im Probebetrieb) in ca. 8,5 km Entfernung vom Standort E.-Datteln IV ebenfalls gesundheitsgefährdende Belastungen ausgehen, z. B. durch jährlich 4.000 t Schwefeldioxyd, 4.000 t Stickoxyde, dann ist es schon unglaublich, aber leider wahr, dass in allen Diskussionen über zusätzliche Belastungen der Menschen, von Fauna und Flora in der Region durch den Betrieb von E.on - Datteln IV die Tatsache völlig ausgeblendet wird, dass in nur 8,5 km Entfernung ein weiteres neues Kohlekraftwerk mit all seinen Belastungen für die Umwelt bereits im Probebetrieb läuft. Zu hoffen bleibt, dass diese Problematik zum einen aufgegriffen wird im anstehenden Zielabweichungsverfahren auf regionaler Ebene und anschließend im Entscheidungsprozess seitens der entscheidungsbefugten Landesplanungsbehörde. Sicher dürfte sein, dass spätestens dann, wenn das OVG Münster in einem weiteren Normenkontrollverfahren gegen den neuen Bebauungsplan der Stadt Datteln tätig werden wird, auch die Problematik der beiden benachbarten neuen Kohlekraftwerke und damit die Summe ihrer für die Region umweltbelastenden Emmissionen entscheidungsrelevante Bedeutung haben wird.
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