Leserbrief: Tod durch Kohle

Zum Thema Tod aus dem Schlot erreichte uns der folgende Leserbrief von Raimund Schorn-Lichtenthäler, Datteln: E.ON plant in Datteln nach wie vor Europas größtes Monoblock-Steinkohlekraftwerk. Weite Teile der Politik unterstützen dieses Vorhaben, trotz höchstrichterlichem Urteil über die Rechtswidrigkeit dieses Vorhabens. Die Stadtverwaltung Datteln bemüht sich nach Kräften, E.ON zu Diensten zu sein. Gutachten werden im Dutzend beschafft und von E.ON bezahlt, um dieses überflüssige Kraftwerk im Nachhinein zu legitimieren und doch noch ans Netz zu bringen. Häufig steht der fehlende bzw. zu geringe  Abstand zu Wohnbebauung im Fokus der Diskussion in Datteln. Es gibt aber auch andere, sehr weitreichende Probleme mit einem Kohlekraftwerk. Kohle zu verbrennen ist so ziemlich das Giftigste, was wir in einem Ofen machen können. Und letztlich handelt es sich bei einem Steinkohlekraftwerk um nichts anderes, einen gigantischen Ofen, der einen sehr problematischen Brennstoff einsetzt. Die Frage der Schadstoffe und der daraus resultierenden gesundheitlichen Störungen wird in Datteln gern klein geredet. Im Gegenteil, Datteln 4 wird zu einem Fortschritt des Umwelt- und Gesundheitsschutzes stilisiert. Wie weit es damit her ist, zeigen aktuell unterschiedliche Berichte und Studien. So beschäftigte sich die Zeit am 16. April 2013 mit der Frage,  wie und mit welchen Folgen Kohle im Ausland gewonnen wird. FIAN und URGEWALD, zwei deutsche Umweltschutzorganisationen, gehen in einem aktuellen, vierzigseitigem Dossier der Frage nach, was in den kohleproduzierenden Ländern eigentlich passiert. Unsere deutschen Energiemultis sind direkt oder indirekt über Beteiligungen an gigantischen Umweltzerstörungen und sozialer Verelendung der einheimischen Bevölkerung beteiligt. Für den Profit einer unersättlichen Energieindustrie werden Landschaften verödet und vergiftet, werden Menschen zwangsumgesiedelt, werden ganze Berge weggesprengt. Greenpeace beleuchtet in einer Aufsehen erregenden Gesundheitsstudie die Folgen der Kohleverbrennung in Deutschland und weist auf gravierende Konsequenzen für die Gesundheit durch die Emissionen der Kohlekraftwerke hin.   Die Gesundheitsorganisation Health and Environment Alliance (HEAL) in Berlin veröffentlicht ebenfalls eine aktuelle gesundheitsbezogene Studie (48 Seiten) zu den Folgen der Abgasemissionen aus Kohlekraftwerken. Die Kernaussage: Abgase aus Kohlekraftwerken sind für immense Gesundheitskosten und erhöhte Sterblichkeit verantwortlich. Die HEAL-Empfehlungen: „Nationale Behörden sollten zur Tat schreiten und die Luftverschmutzung  durch Kohlekraftwerke im Interesse der Gesundheit ihrer Bürger und auch der Bürger von Nachbarstaaten reduzieren. Ein Moratorium für die Errichtung neuer Kohlekraftwerke verhängen. Einen nationalen Plan für den Ausstieg aus der Kohleverstromung erarbeiten. Alle Ausnahmen von den höchsten Emissionsnormen für bestehende Kraftwerke abschaffen. Alle direkten und indirekten Subventionen und Steuererleichterungen für den Stein- und Braunkohleabbau sowie für die Energieproduktion aus Kohle bis 2018 (dem Jahr, in dem ohnedies alle direkten Subventionen für den Steinkohleabbau enden müssen) abschaffen.“ Greenpeace beschäftigt sich auch mit der Frage, warum in Deutschland eine so giftige Industrie über Jahrzehnte so erfolgreich ist und ihre Interessen durchzusetzen vermag. In einer Studie Schwarzbuch  Kohlepolitik zeigt Greenpeace die Verflechtungen von Politik und Kohlestrom-Industrie auf. Gerade in NRW sind diese Art Lobbyisten sehr stark vertreten, u.a. auch in Datteln.   FÖS  –  Forum Ökologisch Soziale Marktwirtschaft Wer sich fragt, warum unsere Industrie hinter der Kohle her ist, wie der Teufel hinter der Seele, der kann im großen FÖS-Report STAATLICHE FÖRDERUNGEN DER STEIN- UND BRAUNKOHLE IM ZEITRAUM 1950 - 2008  (117 Seiten) nachlesen, welche Subventionen gerade in die Verfeuerung von Kohle geflossen sind. Daraus wird deutlich, warum Kohlekraftwerke keinen „günstigen Strom“ produzieren, denn Subventionen zahlen wir alle.  
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