Ich sehe was, was du nicht siehst

PR für Dummies - Wettbewerbe, Sponsoring und Spenden

Vor eine kniffelige Herausforderung stellt der eon-Konzern alle Fotografiebegeisterten mit seiner jüngsten PR-Aktion: ein Fotowettbewerb mit Motiven des alten und NEUEN Kraftwerks Datteln - obwohl es letzteres gar nicht gibt. Sagen jedenfalls im Brustton der Überzeugung die Stadt Datteln und der RVR, auch wenn es rein optisch irgendwie ganz anders aussieht am Löringhof und das, was nicht da ist, offenbar trotzdem fotografiert werden kann. Oder wird auf geschickte Fotomontage gesetzt? Man nehme ein beliebiges virtuelles Kraftwerk (vielleicht verleiht der RVR sein Musterkraftwerk, mit dem man so tolle Berechnungen anstellen kann), setze es auf eine grüne Wiese, male es ein wenig an und füge ein paar leuchtende Sonnenstrahlen hinzu - fertig ist Mein schönstes Kraftwerk. Natürlich winken Preise für die Fotomontierer - so viel Sachkenntnis in Bildbearbeitung muss schließlich belohnt werden.

Hier oder hier oder hier? Auf der grünen Wiese bleibt viel Raum für Kreativität.

Tue Gutes und rede darüber

Der Fotowettbewerb reiht sich in die lange Reihe der Aktionen mit denen der eon-Konzern versucht, sich öffentliches Wohlwollen in Datteln zu sichern. Auch die scheinbar nimmermüde Spendenbereitschaft des Unternehmens und seiner Belegschaft macht regelmäßig in der Tagespresse von sich reden, beispielsweise für die Kinderklinik Datteln. Ja, natürlich brauchen kranke Kinder besondere Hilfe und Unterstützung, dem mag sich wohl niemand ernsthaft verschließen. Schade, dass dabei das wirklich lobenswerte soziale Engagement von eon-Mitarbeitern gerade in Datteln einen schalen Beigeschmack bekommt. Dass ausgerechnet diese kranken Kinder, vielleicht untergebracht auf der Fachstation für Atemwegserkrankungen, gar keine Chance haben, in halbwegs gesunder Umgebung zu genesen, ist die Kehrseite der Spenden-Medaille. Und über Kehrseiten spricht man nicht gern, man wünscht sich lieber bunte Hochglanzfotos eines Industriegiganten im Sonnenschein. Sonnenschein, der mehr als anderswo hinter giftigen Dampfschwaden verschwinden würde. Wie viele Tonnen hochgiftiger Schwermetalle und anderer Schadstoffe auf die unmittelbare Umgebung und damit auch auf die Kinderklinik Datteln herunterrieseln würden - die Antwort auf diese Frage ist eon bisher schuldig geblieben. Genau das ist aber die Gretchenfrage, deren korrekte Beantwortung das Märchen vom sauberen Kraftwerk und zukunftsfähigem Umweltschutzkonzept umgehend zu Staub zerfallen ließe. Zumindest wäre dieser Staub nicht mit Schadstoffen belastet.
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