2012 – der Jahresrückblick

Das neue Jahr beginnt, wie das alte geendet hat. Nachher ist eben vorher - oder umgekehrt. In der Hofberichterstattung ist es Tradition, Passanten nach ihren Wünschen für das neue Jahr zu befragen. Und wie immer in den letzten Jahren ist einer dabei, der sich dringend die Inbetriebnahme von Datteln 4 wünscht, der Quotenmann halt. Das eon-Marketing-Murmeltier lässt grüßen. Der fromme Wunsch eines einzelnen Herrn ist wohl nötig - 2012 lief nicht wirklich gut für den Konzernriesen  Winter 2012: Das alte und wenig erfolgreiche eon-Jahr endet im Dezember mit einer weiteren Episode aus der Unterhaltungsreihe Rentner fragen - Fachkräfte antworten, auch dieses Mal gab es am Rande des Wochenmarktes einfache Antworten auf einfachste Fragen, vorzugsweise gestellt von älteren Herren, die vor dreißig oder vierzig Jahren mal irgendwas mit Kohle gemacht haben. Das als krönender Abschluss geplante Brot-und-Spiele-Spektakel am 8. Dezember am eon-Würfel wird nicht zum Publikumsmagneten, die Akteure beschäftigten sich mit Luftnummern-Akrobatik, für den Fall, dass man das mal vor Zuschauern vorführt. Offenbar sind doch nicht so viele Dattelner glühende Fans des Riesenkraftwerks. Herbst 2012: das Joint-Venture-Kraftwerksgroßprojekt in Totoral in Chile scheitert am Widerstand der Bewohner der Region. Der Weiterbetrieb von Datteln I-III ist nur noch geduldet, die Betriebsgenehmigung erlischt endgültig. STEAG verlängert die Verträge für Bahnstromlieferungen bis 2018 und selbst eons bisheriger PR-Bundesgenosse, die Deutsche Bahn, ist pikanterweise nicht mehr der Überzeugung, dass Bahnstrom zwingend von Datteln 4 kommen müsse. Der geplante Block 6 für das eon-Kraftwerk Staudinger in Hessen ist Geschichte, eon gibt das Vorhaben nach jahrelangen Anwohnerprotesten auf. Sommer 2012: das Oberverwaltungsgericht Münster hebt den immissionsschutzrechtlichen Vorbescheid für Datteln 4 auf, weil es ihn für rechtswidrig erachtet. Dieser Bescheid besagt die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit des Großprojektes. Frühjahr 2012: Hunderte Kraftwerksgegner machen mit Fackeln und Sprechchören auf ihren Protest aufmerksam - vor den Toren des eon-Informationscenters. Im Laufe des Jahres entwickelt sich die vermeintliche Goldgrube und Gelddruckmaschine Datteln 4 immer weiter Richtung Milliardengrab, auch renommierte Zeitungen verwenden mittlerweile ohne Scheu das Wort Investitionsruine. Währenddessen spielt die Stadt Datteln die Hauptrolle in einer bizarren Provinzposse, die ihresgleichen sucht. Man tut so, als ob man ein neues Kraftwerk auf der grünen Wiese plant - jedoch - selbstverständlich rein zufällig - stimmt der neue Bebauungsplan mit den bereits vorhandenen Bauwerken überein. Sonstige Stadtentwicklung Fehlanzeige. Aber vielleicht schaffen es eon und die Stadt Datteln ja 2013, das Projekt endgültig zu begraben und sich neuen, wirklich sinnvollen Aufgaben zuzuwenden. Neues Jahr, neue Chance!
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