Was kostet Strom wirklich?

Zur aktuellen Energiepolitik-Diskussion ein Beitrag von Raimund Schorn-Lichtenthäler Ein beliebtes Argument der Befürworter des Ausbaus von konventionellen Großkraftwerken ist die angeblich sichere, preisgünstige und planbare Energieversorgung. Die Betreiber von Atom- und Kohlekraftwerken reklamieren für sich eine besondere Wirtschaftlichkeit ihrer Anlagen und des darin erzeugten Stroms. Leider ist Strom für den Verbraucher aber gar nicht billig, das ist bereits der erste Schönheitsfleck in der Argumentation. Ein weiterer, viel wichtigerer Aspekt liegt in der Untersuchung der Frage, wie die Kosten der Stromproduktion tatsächlich sind. Denn hier wird mit falschen Zahlen, Verschleierungen und Halbwahrheiten operiert. Was kostet uns die Stromproduktion wirklich, wenn die offenen und verdeckten Subventionen eingerechnet und die Umweltzerstörungen betrachtet werden und in die Kalkulation einfließen. Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft, kurz FÖS, befasst sich mit den Fragen der Kosten der Energieerzeugung. Im April 2011 wurde die Studie Was Strom wirklich kostet veröffentlicht, die das FÖS im Auftrag von Greenpeace Energy erstellt hat. Darin werden die direkten und indirekten staatlichen Förderungen von erneuerbaren Energien, Atomenergie, Stein- und Braunkohle im Zeitraum 1970-2010 verglichen. Aufbauend auf den Ergebnissen werden beispielhaft für das Jahr 2010 die gesamtgesellschaftlichen Kosten der einzelnen Energieträger ermittelt. Das FÖS wurde 1994 als gemeinnütziger Verein gegründet - damals unter dem Namen Förderverein Ökologische Steuerreform. Damals lag der Schwerpunkt auf der Einführung einer Ökologischen Steuerreform in Deutschland, die 1998 erfolgreich eingeführt wurde. Neben dem Strompreis selbst werden die Kosten der staatlichen Förderungen und die externen Kosten von Strom aus Atomenergie, Kohle und erneuerbaren Energien aufsummiert. Im Ergebnis trägt die Gesellschaft bei einer Kilowattstunde Windstrom Kosten von 7,6 Cent und bei Wasserstrom 6,5 Cent. Die Gesamtkosten für Strom aus Braun-­ und Steinkohlekraftwerken summieren sich hingegen auf 12,1 Cent und für Atomkraft sogar auf 12,8 Cent je Kilowattstunde. Dies zeigt, dass einige erneuerbare Energien heute schon günstiger sind als konventionelle Energieträger, wenn außer dem Strompreis auch die Kosten von staatlichen Förderungen und der Umwelt­ und Klimabelastung einbezogen werden. Dies sollte bei der Diskussion um „bezahlbaren Strom“ und der Debatte um die zukünftige Energieversorgung berücksichtigt werden.
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