Leserbrief zum Thema Bahnstrom

Der folgende Leserbrief von Raimund Schorn-Lichtenthäler zum Thema Bahnstrom erreichte uns am 27. September 2011: Raimund Schorn-Lichtenthäler 45711 Datteln, 27.09.2011 Leserbrief Vorsicht vor den verkappten Lobbyisten der Stromoligopole Die verkappten Lobbyisten der Stromoligopole (so nennt man es, vereinfacht gesagt, wenn wenige Monopolisten den Markt unter sich aufteilen und so mit ihrer Macht eine beherrschende Stellung einnehmen. Leider ist dies im deutschen Strommarkt der Fall.) blasen zum Sturm und WAZ und Dattelner Morgenpost plappern es brav nach: „Der Bahn geht der Strom aus“ titelt die Wirtschaftsredaktion der Westdeutschen. Etwas moderater verhält sich das Blatt aus dem Zeitungshaus Bauer: „Die Bahn will Strom aus Datteln“. Die üblichen Wasserträger der Energieindustrie melden sich zu Wort. Da treten „ganz zufällig“ FDP Fraktionschef Papke (NRW), CDU Fraktionsvize Lienenkämper, CDU-„Umweltpolitiker“ Hovenjürgen, die Bundesnetzagentur und die Deutsche Bahn für die Industrieinteressen einträchtig miteinander auf. Und wenn es um die Gewinne der Konzerne geht, werden plötzlich Weltuntergangsszenarien an die Wand gemalt, die von den eigentlichen Tatsachen ablenken sollen. Dabei ist die Sache eigentlich relativ einfach. Der E.ON Konzern hat sich in Datteln mächtig vergaloppiert. Spätestens seit dem OVG-Urteil aus September 2009 gab es dies schriftlich mit einer satten Ohrfeige für Politik und Verwaltung in Stadt und Land. Aber anstatt sich auf den Hosenboden zu setzen und endlich nach Recht und Gesetz zu verfahren, haben sich die Herrschaften arrogant entschieden so zu tun, als gäbe es das letztinstanzliche Urteil gegen Datteln IV nicht. E.ON baut seitdem in einer beispiellosen Ignoranz der Tatsachen ohne rechtliche Basis und versenkt Milliarden in den Dattelner Sand. Teile der Politik begleiteten und unterstützen diese Haltung. Zunächst wurde versucht es mit rechtlichen Tricksereien zu richten, die ehemailge CDU-FDP Landesregierung hat bei der letzten Landtagswahl ihre Quittung für die Lex-E.ON erhalten. Jetzt wird mit verstecktem Druck auf die Bevölkerung und Mythen und Märchen agiert. Zwei Jahre sind ins Land gegangen, ohne dass die Verantwortlichen die richtigen Schlüsse aus dem Dattelner Fiasko gezogen haben. Immer noch wird gegen Recht und Gesetz gehandelt, zumindest wird es versucht. „Mehrere Hundert Züge müssten wohlmöglich an kalten und feuchten oder schneereichen Tagen gestoppt werden.“ Ganz abgesehen davon, dass die Bahn alljährlich von ganz allein im Herbst ein Verkehrschaos aus unpünktlichen und ausfallenden Zügen produziert, soll jetzt als Begründung der Bahnstrom herhalten. Dabei gibt es längst technische Möglichkeiten über Gleichrichter den erforderlichen Bahnstrom auch andernorts zu produzieren. Immer, wenn bekannte einseitige Interessenvertreter lautstark von „Ideologen“ reden, die es zu stoppen gelte, sollte man besonders hellhörig und wach werden. E.ON hat Lieferverträge mit der Bahn, schön und gut, aber warum soll deshalb ein nicht mehr genehmigungsfähiges Altkraftwerk länger als nötig die Dattelner Bevölkerung behelligen? E.ON hat sehenden Auges und bewusst die Blöcke Datteln I bis III technisch nicht mehr ertüchtigt, wohl wissend, dass damit die Genehmigungsgrundlage entfällt. E.ON war zu arrogant einem höchstrichterlichen Urteil zu folgen und meinte deshalb bei der Bahnstromproduktion nicht vorsorgen zu müssen. Die Herrschaften haben sich schlicht verzockt, dafür soll jetzt die Dattelner Bevölkerung herhalten. Aber hier haben die Menschen bereits 40 Jahre mit ihrer Gesundheit hergehalten, jetzt ist damit Schluss! Als Nächstes folgt als Begründung die angeblich ausbleibende Fernwärmelieferung. Auch hier hat E.ON arrogant eine rechtzeitige Lösung für die vertragsgemäß zugesicherte Lieferung verstreichen lassen. Die Versorgung der Bevölkerung und die Einhaltung von Verträgen interessieren anscheinend nur dann, wenn die eigenen Profitinteressen dies erlauben. Deshalb sehen unsere Lobbyisten einen Grund gegen Recht und Gesetz nach der Realisierung eines gigantischen Kraftwerks in unmittelbarer Nähe zur Wohnbebauung zu rufen. Kann sich jemand von diesen Leuten vorstellen einen 1100 MW Monoblock 300 Meter entfernt vom Landtag NRW zu planen, oder vielleicht 300 Meter vom Prinzipalmarkt Münster, oder 300 Meter von der eigenen Haustür? Im gesamten Münsterland würde eine solche Planung verlacht werden, nicht so in Datteln. Hier war schon immer Lärm und Dreck, das kann man den Menschen auch weitere 40 bis 50 Jahre zumuten, so die Sichtweise der Damen und Herren Energieindustrielobbyisten. Das Gute an der Sache ist, dass man sich für die nächste Landtagswahl die Namen der „Papkes“ und „Lienenkämpers“ und „Hovenjürgens“ merken kann, jene also, die nur einseitig Interessen vertreten können und wollen. Wir sehen dann 2015 weiter meine lieben Volksvertreter, gern auch früher, wenn die FDP ausprobieren möchte, ob sie es schafft unter dem Berlin-Ergebnis zu bleiben. Gerade die FDP konnte erfahren was folgt, wenn man sich programmatisch auf eine Mövenpickpartei reduziert. Ansonsten ist dieses gigantische Kraftwerk eine ebenso gigantisch große Fehlplanung. Nur will dies keiner den Aktionären eingestehen, denn diese könnten sich das eventuell ebenso merken und ihren Vorständen die passende Quittung ausschreiben.
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