Alter Leserbrief – brandaktuell

Ernst- W. Belter, Waltrop, d. 22.01.2006 Leserbrief zu „Kraftwerk erhitzt die Gemüter“ im Waltroper Lokalteil vom 20.01.06. Als ich zum ersten Mal von den neuen Kraftwerksplänen in Datteln erfuhr, hielt ich das für eine reine Modernisierungsmaßnahme des alten Bahnstromkraftwerks. Ein marodes altes Kraftwerk wird durch ein neues ersetzt, der Wirkungsgrad etwas höher und  dafür weniger Beschäftigte. So sieht Modernisierung heute eben aus, aber alles nicht besonders spektakulär. Mit dieser Vorstellung im Kopf ging ich zu der Informationsveranstaltung am Mittwochabend. Was ich dort erfuhr, ging aber weit darüber hinaus. Das weltweit größte Kraftwerk seiner Art mit einer elektrischen Leistung von fast 1100 MW, also fast dreimal soviel wie das alte Werk, einer Kühlturmhöhe von 180m und einer neuen Technik der Rauchgasentsorgung über den Kühlturm, zudem Verfeuerung auch von Restmüll und Heizöl. Das bedeutet sowohl quantitativ als auch qualitativ etwas völlig anderes als eine reine Ersatzmaßnahme! Leider findet sich in Ihrem Bericht außer der Feststellung, dass es sich um ein imposantes Bauwerk mit 180m Höhe handelt, nichts davon wieder. Außer den Bedenken, die an dem Abend schon angesprochen wurden bezüglich der zusätzlichen Luftverschmutzung, der Landschaftsverschandelung, der Wohnwert-minderung und der Bürgerbeteiligung, die m. E. alle nur unbefriedigend beantwortet worden sind, hat sich mir die Frage gestellt, warum ein solches Monster in dieser Größenordnung jetzt gebaut werden soll und wem es eigentlich nützt. Angesichts einer sowieso schon bestehenden Überkapazität, weiteren Planungen von Kraftwerksneubauten in der Region (selbst wenn einige kleinere Kraftwerke abgeschaltet werden sollten) und einer schrumpfenden Bevölkerung und Industrie ergeben zusätzliche 750 MW an Haushalt- und Industriestrom erst einmal keinen Sinn. Außerdem kommt dazu, dass in der letzten Zeit wieder verstärkt davon die Rede ist, dass Energie eingespart werden muss und dass sogar bis in Teilen der CDU hinein die Einsicht reift, dass angesichts endlicher Ressourcen und globaler Klima-veränderungen es eigentlich keine Alternative gibt zu einer Energiepolitik, die auf Nachhaltigkeit, Einsparung und regenerative Energien setzt. Eine solche zukunftsweisende Energieerzeugung ist ihrem Wesen nach dezentral angelegt ganz im Gegensatz zu der zentralistischen Planung der eon. Vielleicht ist das aber genau der Punkt, denn viele kleine Blockheizwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung, Windkraftanlagen und Solardächer würden die Monopolstellung der großen Energiekonzerne erheblich gefährden. Von einer dezentralen Stromer-zeugung mit hohen Wirkungsgraden würde nicht nur die Umwelt profitieren, sondern es könnte endlich ein echter Wettbewerb entstehen und damit Aussicht auf sinkende Strompreise. Der Verdacht liegt nahe, dass genau da der Grund für den Größenwahn der eon zu suchen ist. Sind aber Fakten geschaffen und steht die Anlage erst einmal, dann braucht man sich für die nächsten 40- 50 Jahre weder Gedanken über eine alternative verantwortungsvolle Energiepolitik zu machen und die großen Energiekonzerne könnten ihre Monopolstellung behalten und weiter die Preise diktieren.. So gesehen ergeben auch die Worte von Herrn Hube, dem künftigen Kraftwerksleiter, einen Sinn, der davon gesprochen hat, dass diese Größenordnung zwingend erforderlich ist für Effizienz und Wirtschaftlichkeit: Effizient im Sinne von Verhinderung von umweltfreundlichen Alternativen und wirtschaftlich im Interesse des shareholder values – aber beides auf Kosten der Allgemeinheit. Ernst-W. Belter    
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